Martin Liebmann, Faul zu sein ist harte Arbeit.

Martin Liebmann, Faul zu sein ist harte Arbeit

Martin Liebmann, Faul zu sein ist harte Arbeit. Eine Ode an den Müßiggang.

Komplett Media 2019, 223 Seiten, 18,00 Euro (D)/18,50 Euro (A), ISBN: 978-3831205462

Wenn der Obmann des Vereins zur Verzögerung der Zeit ein Buch schreibt, dann liegt es auf der Hand, dass es ebenso humorvoll wie philosophisch wird. Mit leichter Feder erzählt Liebmann Geschichten über den Rausch der Möglichkeiten, die Gegenwartsschrumpfung, den Wettbewerb, unsere Endlichkeit und andere Zusammenhänge, die es uns in der modernen Wachstumsgesellschaft so schwer machen, innezuhalten und Muße zu finden. Natürlich finden sich in seinem Buch auch die Paradoxen Interventionen im öffentlichen Raum wieder, für die der Verein so bekannt ist. Seine Mathematik der Entschleunigung liefert schließlich ein köstliches Gedankenspiel, das jedem blinden Aktivismus den Wind aus den Segeln nimmt.
Das im September erschienene Buch hat in den Medien eine selbst für das Vereinsthema ungewohnt starke Resonanz ausgelöst. Von Spiegel über FAZ bis zur Bild am Sonntag, von Landesfunkhäusern bis zum Deutschlandfunk wurden ausführlich und ganz im Sinne des Vereins die Beschleunigung des Lebens in Frage gestellt und die Bedeutung der Muße für ein gutes Leben und Zusammenleben diskutiert. Liebmanns Buch ist eine inspirierende Lektüre und das perfekte Geschenk für Menschen, die auf der Suche nach einem erfüllten, glücklichen Leben sind.

Harald Welzer, Alles könnte anders sein

Harald Welzer, Alles könnte anders sein

S. Fischer 2019, 320 Seiten, 22,00 Euro (D), ISBN-13: 978-3103974010

Heute glaubt niemand mehr, dass es unseren Kindern mal besser gehen wird. Muss das so sein? Muss es nicht! Der Soziologe und erprobte Zukunftsarchitekt Harald Welzer entwirft uns eine gute, eine mögliche Zukunft mit positiven statt reaktiven Bilden. Anstatt nur zu kritisieren oder zu lamentieren, macht er sich Gedanken, wie eine gute Zukunft aussehen könnte: In realistischen Szenarien skizziert er konkrete Zukunftsbilder u.a. in den Bereichen Arbeit, Mobilität, Digitalisierung, Leben in der Stadt, Wirtschaften, Umgang mit Migration usw. Erfrischend und Mut machend zeigt Welzer: Die vielbeschworene »Alternativlosigkeit« ist in Wahrheit nur Phantasielosigkeit. Wir haben auch schon viel erreicht, auf das man aufbauen kann. Es ist nur vergessen worden beziehungsweise von anderen Prioritäten verdrängt. Es kann tatsächlich alles anders sein. Man braucht nur eine Vorstellung davon, wie es sein sollte. Und man muss es machen. Die Belohnung: eine lebenswerte Zukunft, auf die wir uns freuen können.
Ein absolut lesenswertes Buch mit vielen Gedanken zum Thema Zeit.

Ze:it:23, Kurzgeschichten Wettbewerb

Ze:it:23, Kurzgeschichten Wettbewerb, Literareon Verlag 2019, ISBN 978-3-8316-2099-9, 9,60€ (D).

Der Literareon Verlag hat 2018 einen Kurzgeschichtenwettbewerb zum Thema „Zeit“ ausgeschrieben. Den ersten Preis in diesem Wettbewerb hat Josefine Sarfert mit ihrer Geschichte gewonnen.  Der Verlag hat die Anthologie mit den Preisträgern sowie weiteren ausgewählten Geschichten in einem Büchlein veröffentlicht und auf der letzten Frankfurter Buchmesse vorgestellt. 

Franz J. Schweifer, Tempo all’arrabbiata

Franz J. Schweifer, Tempo all’arrabbiata, Schriftenreihe Philosophische Praxis Band 6

Fachverlag Dr. Kovac 2017, 182 S., 39,90 Euro, ISBN 978-3-8300-9288-9,

„Tempo all´arrabbiata“ ist keine pikante Neukreation für Liebhaber italienischer Kochkunst, sondern eine pointierte Zeit-Anthologie für Querdenker. Sie greift in konzentrierten Essays und Fachbeiträgen bemerkenswerte Widersprüche und Themen auf, die unseren Umgang mit Zeit berühren. Offensichtlich oder latent. Es sind kritische Zeitenblicke eines „Temposophen“, die Gewohntes in Frage oder auf den Kopf stellen – und so neue Einsichten ermöglichen, gleichzeitig zu eigenen Reflexionen und Schlüssen einladen. Ein ungewöhnliches Zeit-Lesebuch mit einer Prise Ironie und Humor. Anregend. Aufschlussreich. Scharfsinnig. Ganz á la „arrabbiata“.

Hartmut Rosa, Eine Soziologie der Weltbeziehungen

Cover_Resonanz_einer_Soziologie_der_WeltbeziehungenHartmut Rosa, Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehungen.

Suhrkamp 2016, 816 Seiten, 36,00 Euro, ISBN: 978-3-518-58626-6

Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung. Dies ist, auf die kürzestmögliche Formel gebracht, die Kernthese des neuen Buches von Hartmut Rosa, das als Gründungsdokument einer Soziologie des guten Lebens gelesen werden kann. An seinem Anfang steht die Behauptung, dass sich die Qualität eines menschlichen Lebens nicht in der Währung von Ressourcen, Optionen und Glücksmomenten angeben lässt. Stattdessen müssen wir unseren Blick auf die Beziehung zur Welt richten, die dieses Leben prägt und die dann, wenn sie intakt ist, Ausdruck stabiler Resonanzverhältnisse ist.

Um dies zu begründen, präsentiert Rosa zunächst das ganze Spektrum der Formen, in denen wir eine Beziehung zur Welt herstellen, vom Atmen bis hin zu kulturell ausdifferenzierten Weltbildern. Dann wendet er sich den konkreten Erfahrungs- und Handlungssphären zu – etwa Familie und Politik, Arbeit und Sport, Religion und Kunst –, in denen wir spätmodernen Subjekte Resonanz zwar suchen, aber immer seltener finden. Das hat maßgeblich mit der Steigerungslogik der Moderne zu tun, die sowohl Ursache als auch Folge einer gestörten Weltbeziehung ist, und zwar auf individueller wie kollektiver Ebene.

Buchrezension wird in der Zeitpresse Ausgabe 201601 erscheinen.