Symposium

Eine Frage der Verantwortung

Zeitfaktoren in Politik und Medien

Am Freitag, den 16.2.2018, titelte die Bild, dass der Vorsitzende der Jusos per E-Mail Verbindung mit einem Hacker aus Russland hätte, der ihm Wählermanipulation angeboten habe. Am Mittwoch darauf bekannte sich die Redaktion des Satiremagazins Titanic dazu, der Bild diese Ente gezielt untergejubelt zu haben. „Für die Echtheit der E-Mails gibt es keinen Beweis“ war auf Seite 2 der Bild im letzten Absatz des Artikels zu lesen. Ist das nun der Freibrief dafür sich etwas aus den Fingern zu saugen, solange nur ganz am Ende dabeisteht, dass es keine Beweise dafür gibt? Die Bild hatte den Juso-Chef vor Veröffentlichung darüber informiert, die Reaktion der SPD war eine Anzeige gegen Unbekannt – Grund genug für die Bild den Artikel gerade auch deshalb zu publizieren, weil mit der Anzeige plötzlich ein gesichertes Faktum geschaffen wurde.

Welche Eigenzeiten und Zeitlogiken in Politik und Medien aufeinandertreffen, damit werden wir uns dieses Jahr beim Symposium befassen. Vorschnelle oder impulsive Aussagen erregen ebenso Unmut wie zu langes Schweigen oder partielles Vorenthalten von Informationen. „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“, Thomas de Maizière im November 2015. Womit werden nicht vorhandenen Inhalte ersetzt, um der Taktung gerecht zu werden und inwieweit gestalten diese Zeitfaktoren unsere Realität? Wohin führen die Beschleunigung in der Berichterstattung, die knappe Zeit für Recherchen gepaart mit Exklusivitätszwang? Was sagen Politiker/innen, wenn sie keine Antwort haben, aber eine geben müssen? Wieviel Zeit räumen wir Politiker/innen für ihre Meinungsbildung ein? Ist politisches Kabarett besser geeignet, komplexe Sachverhalte zu erklären und damit mehr zur politischen Bildung beizutragen als Nachrichtensendungen und Zeitungen? Mit welchen unauflösbaren Widersprüchen müssen wir uns als Medienkonsument/innen und Wähler/innen arrangieren?

20.09.- 23.09.2018 – Wagrain/Österreich

Moderation: Wolfgang Kötter und Carola Pust

 

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Referent_innen

Prof. Dr. Gregor Daschmann, Studium der Publizistikwissenschaft, Politikwissenschaft und Psychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 1987-1992 Journalistische Tätigkeit für den SWF-Hörfunk und verschiedene Redaktionen des ZDF. 1993-1994 Landespolitischer Korrespondent der Aktuellen Redaktion des SWF-Fernsehens. 1995-2000 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Publizistik. 2000 Promotion in Publizistik. 2000-2002 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Publizistik in Mainz. 2002-2003 Vertretung der C3-Professur für Medienwissenschaft am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung an der Hochschule für Musik und Theater, Hannover. 2003-2006 Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft am IJK Hannover. Seit Oktober 2006 Professor für Publizistik an der Universität Mainz. 2002-2006 erster Sprecher der Fachgruppe Methoden der DGPuK. 2010-2014 Studiendekan, seit 2014 Dekan des Fachbereichs Sozialwissenschaften, Medien und Sport, seit 2008 Jury-Vorsitzender des Wettbewerbs „Deutschlands Kundenchampions“. Seit 2006 Vorsitzender der Jury des Journalistenpreises der Stiftung Presseclub Mainz. Mitglied des Programmbeirats von Radio Antenne Mainz 106,6.

Link:
SWR-Interview zum 65. Geburtstag der BILD

 

Ulla Fiebig, Abschluss des ersten juristischen Staatsexamens. Von 1992 bis 1997 Volontariat und freie Mitarbeit bei Radio TON/Heilbronner Stimme, danach bis 1999 freie Mitarbeit in der Weltnachrichten-Redaktion von Hitradio FFH in Frankfurt/Main. Bis 2009 Redakteurin beim SWR in Mainz. Referentin und stellv. Sprecherin des ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust beim SWR in Stuttgart bis 2010. 2011 bis 2013 Fernsehkorrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio, 2013 bis 2016 Abteilungsleiterin „Strategische Unternehmensentwicklung“ beim SWR in Stuttgart, seit 2016 wieder im ARD-Hauptstadtstudio. Ihre Fachgebiete sind Familie (Ltg.), Justiz/Verbraucherschutz (stellv. Ltg.), Verkehr/digitale Infrastruktur (stellv. Ltg.), AfD, Bildung/Forschung, Ernährung/Landwirtschaft, FDP, SPD, Wirtschaft/Energie.

Link:
Plädoyer für nachhaltigen Politikjournalismus

 

Prof. Dr. Kathrin Stainer-Hämmerle, Politik- und Rechtswissenschaftlerin. Seit 2009 Professorin für Politikwissenschaft an der FH Kärnten. Lehraufträge u. a. an den Universitäten Klagenfurt und Graz sowie an der Donau Universität Krems. Von 2005 bis 2009 Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft (ÖGPW), 2009 bis 2011 Mitglied des geschäftsführenden Herausgebe/innengremiums der Österreichischen Zeitschrift für Politikwissenschaft (ÖZP). Obfrau im Vorstand der Interessensgemeinschaft für Politische Bildung (IGPB) sowie Mitglied des Vorstands des Europahaus Klagenfurt und langjähriges Vorstandsmitglied des Business Frauen Center (BFC). Studien und Publikationen in den Bereichen Politische Bildung, Wahlrecht, Partizipations- und Demokratieforschung, sowie Politanalytikerin und Wahlkommentatorin in zahlreichen Sendungen des Österreichischen Rundfunks (ORF) und Privatfernsehkanälen.

Link:
Interview zum Thema Politisches Handeln

 

Geplante Workshops:
Friedrich Rackwitz, seit 2009 Studium Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der HFF in München, zuvor studierte er Politikwissenschaften, Soziologie und Philosophie an der LMU in München. 2016 erschien sein Dokumentarfilm „Grundrauschen“ über die Nachrichtenproduktion bei der Deutschen Presse Agentur. Die zentrale Frage des Films lautet: Wie wird die Welt zur Nachricht und die Nachricht zur Welt?

 

Abendprogramm:
Die türkischstämmige Musikkünstlerin Saadet Sonyigit lebt seit 1972 in Deutschland. Sie beschäftigt sich in ihren Projekten mit der türkischen Musikkultur, besonders dem Tango, sowie mit dem Rollenbildwandel der Frauen und ihren Lebensrealitäten in der Türkei seit den Gründerjahren der Republik unter Atatürk. In ihren Solo-Konzerten singt sie auch ihre eigenen Lieder über Integration und Liebe, über das Leben und das Miteinander. Sie ist Mitbegründerin und Vorsitzende des Türkischen Musikvereins Mainz. In ihren erläuternden Zwischentexten skizziert sie die unterschiedlichen Vorstellungen von damals und heute – so dominierte in den 1920ern ein höchst modernes Frauenbild die türkische Gesellschaft.