Symposium

Macht & Maß
Wie Beschleunigung auf die Gesellschaft wirkt

Am 23. Juni 2016 beschlossen die Briten im Zuge eines Referendums ihren Austritt aus der EU. Ein Ereignis, für dessen Vorbereitung der britischen Regierung viel Zeit eingeräumt wurde. Aber auch genug? Neun Monate später, am 29. März 2017, eröffnete Premierministerin Theresa May offiziell die Austrittsverhandlungen mit dem Article-50-Trigger-Text. Bis dieser sechsseitige Text also in die Welt kam, verging ca. jene Zeit, die von Empfängnis bis Geburt eines Menschen vergeht. Man möchte doch meinen, das sei genügend Zeit, damit was Gutes dabei herauskommt? Es kam aber anders und wir sind knapp an einem bewaffneten innereuropäischen Konflikt zwischen den ehemaligen konkurrierenden See- und Kolonialmächten Spanien und Großbritannien vorbeigeschrammt. Was war geschehen? Die Verfasser des Texts hatten auf Gibraltar vergessen, die britische Exklave am Südzipfel Spaniens. Und Spanien hatte sich ein Vetorecht in den Verhandlungen bezüglich Gibraltars gesichert. Aus Großbritannien wurden Stimmen laut, man werde die Interessen des Vereinigten Königreichs notfalls mit militärischer Gewalt durchsetzen – wie 1982 auf den Falklandinseln. Die gewählte politische Macht schien den Sinn für jedes Maß verloren zu haben. Zum Glück ruderte die Premierministerin tags darauf zurück und Europa konnte aufatmen.
Wäre das zu verhindern gewesen, wenn man diesem Text mehr Aufmerksamkeit gewidmet hätte? Oder wurde anfangs verzögert und gegen Ende hin beschleunigt? Waren die falschen Berater und Experten involviert? Übersehen gerade diejenigen so Einiges, die an den Hebeln der Macht sind und die Übersicht haben sollten?
In Demokratien ist es Aufgabe von Opposition, kritischen Geistern und Medien – den Mächtigen – das Maß immer dann anzumahnen, wenn es angebracht ist – als „checks & balances“-Korrektiv. In den USA scheint das zurzeit die einzige Möglichkeit, Donald Trump und seinen Schnellschüssen Einhalt zu gebieten. Nie zuvor war die Notwendigkeit dieses Korrektivs bewusster als in diesen Tagen und vermisster in Ländern wie Polen, Ungarn oder der Türkei. Bleibt uns nichts Anderes übrig, als uns passiv zurückzulehnen und getrost auf die institutionellen Korrektive zu vertrauen? Oder müssen auch wir aktiv werden, Entscheidungen treffen, Haltungen einnehmen und uns politische Meinungen bilden? Wie kann uns das gelingen, wenn die dazu nötigen Informationen aus den verschiedensten Quellen immer schneller produziert werden? Wenn zudem nicht mehr klar ist, ob es sich um alternative „Fakenews“ oder den Tatsachen entsprechende Informationen handelt?

Wir müssen nicht jedem Hype nachlaufen, aber jeder Hype jagt auch uns nach und zielt darauf ab, unsere Zumutbarkeitsgrenzen ein Stückchen weiter nach oben zu verschieben. Maßvolles und Angemessenes für sich selbst und andere einzufordern ist anstrengend und unpopulär; denn „stopp“ zu sagen gilt zunehmend als „no-go“. Und in No-Go-Areas wagt sich ohnehin kaum jemand mehr hinein?

21.09.- 24.09.2017 – Wagrain/Österreich
Moderation: Manuela Beyer und Martin Liebmann

Dipl.-Kunsttherapeutin und Heilpraktikerin Manuela Beyer ist seit 25 Jahren freischaffende Künstlerin, sowie nach ihrem Masterstudiengang an der EGS (Schweiz) und MSH München Coach für Veränderungsprozesse. Sie betreibt seit 2012 das Studio manuarte in Hamburg.

Martin Liebmann ist Berater, Markenphilosoph, geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Markenführung GmbH in Lübeck und Vorsitzender des Vereins zur Verzögerung der Zeit.

 

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Referent_innen

em. Univ.-Prof. Dr. Peter Heintel
Gründer und Ehrenvorsitzender des Vereins zur Verzögerung der Zeit, Gründungsrektor der Universität Klagenfurt, war Professor für Philosophie und Gruppendynamik sowie Prozessberater bei Mediations- und transdisziplinären Entscheidungsprozessen und Leiter des Instituts für Kulturelle Nachhaltigkeit an der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Uni Klagenfurt.

Johann Hofmann – Leben 1.0
Für seine Vorträge und Publikationen zum Thema Industrie 4.0 bekannt, arbeitet Johann Hofmann seit Abschluss seines Maschinenbaustudiums im Jahre 1989 für die Maschinenfabrik Reinhausen. Bereits nach zwei Jahren übernahm er die Leitung der NC-Programmierung. In dieser Funktion begann Hofmann die Daten- und Informationsflüsse papierlos zu systematisieren. Nach über 25-jähriger Detailarbeit war diese revolutionäre Lösung entwickelt und industrieerprobt.
Angelehnt an Industrie 4.0 weist Hofmann mit Leben 1.0 darauf hin, dass wir als Menschen nur unser gegenwärtiges Leben bewusst wahrnehmen können. Die Geschwindigkeitsspirale der digitalen Transformation dreht sich allerdings von Jahr zu Jahr schneller und trübt immer mehr den Blick auf die echten Werte. Dieser immer schneller werdende digitale Wandel erzeugt mitunter auch groteske Blüten wie z.B. Speedwatching und Kuscheltier-Reisen.
Mit seinem Vortrag und Workshop Leben 1.0 setzt Hofmann einen Gegenpol zu diesem Trend. Er kombiniert seine beruflichen Erkenntnisse als Maschinenbau-Ingenieur und Digitalisierungsexperte aus dem Industrie 4.0 Umfeld, mit den Erkenntnissen der Philosophen der Antike und der Neuzeit, sowie der aktuellen Glücksforschung und der Religion.

Weiterführender Link:
Leben 1.0 – wir haben nur eins

Gunkl & Walter, was wäre der eine ohne den anderen? Als ewig gegensätzliches Kabarett-Yin und Yang bestechen Gerhard Walter und Gunkl in ihren Doppelconferencen als „Herz & Hirn“. Diese künstlerische Zweifaltigkeit sucht das Einende in aller Unterschiedlichkeit und ist nicht zuletzt deshalb hochaktuell.
Eine Welt durch zwei Brillen. Wo liegt die Wahrheit? Und steht die irgendwann auch einmal auf? Ist die Welt ein ewiges Mysterium oder ein chemischer Prozess im vorderen Hirnlappen? Auf jeden Fall ist sie ein Ort, an dem es tatsächlich Weltmeisterschaften im Gummistiefelweitwurf gibt, was die Perspektive, dass die Welt nur ein biochemischer Prozess im präfrontalen Cortex ist, sehr tröstlich erscheinen lässt.
Was Sie von diesem Abend haben? Ein paar Fragen zu einer Antwort und die beruhigende Gewissheit, dass viele Wege nach Rom führen.

Claus Fokke Wermann, TV-Journalist und Diplom-Psychologe, hat die Schwerpunkte Wirkung von Kommunikation, optische Gestaltung, Live-Berichterstattung und Moderation, Veränderungsmanagement und Führungskräftequalifikation. Er war über 30 Jahre bei öffentlich-rechtlichen Anstalten in fast allen Bereichen (vom Reporter bis zum Abteilungsleiter) tätig und kennt daher die meisten Themen aus eigener Anschauung. Technische Innovationen (SNG, Videojournalismus, Digitaler Newsroom, Multimedial denken und arbeiten) hat er von Anfang an mitgetragen und inhaltliche Konzepte dafür entwickelt. Dabei spielt das Thema Veränderungsfähigkeit und -bereitschaft häufig eine entscheidende Rolle. Wermann ist zudem Präsident der „Internationalen Arbeitsgemeinschaft Kommunikation und Medien“ (IAKM e.V.).

 

Geplante Workshops:
Florian Kirn, Schnelles Studium, schnelle Karriere – schnelles Glück?, ist derzeit auf dem erneuten Sprung ins Berufsleben. Seine akademische Ausbildung begann er vor 17 Jahren am Kolleg St. Blasien, war zwischenzeitlich ein halbes Jahr an der Tongji High School, Shanghai. Nach dem Abitur leistete er seinen Zivilersatzdienst in China ab; anschließend studierte er Wirtschaftsingenieurwesen, Internationales Technisches Vertriebsmanagement in Kaiserlautern, bzw. Aschaffenburg. Sein Studium schloss er mit dem Master of Science in International Business Management an der EAE Bussiness School Madrid ab. Zwischenzeitliche Praktika in Beijing, Zürich, Nürnberg sowie Guangzhou und Wolfsburg rundeten seine Ausbildung ab. Hinzu kommen eineinhalb Jahre als Sales Performance Consultant bei Mercedes-Benz Consulting. Als Vater einer frisch geborenen Tochter genießt er eine kurze Auszeit / Elternzeit.