Symposium

Terminaviso Zeitgespräche 2020

¿Freiheit oder Algorithmus?

Vom Umgang mit künstlicher Intelligenz

01.-04. Oktober 2020

Wagrain/Salzburg

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Ab sofort können Sie unter diesem Link Ihr(e) Zimmer im Sporthotel Wagrain reservieren: Anmeldung Sporthotel Wagrain 

¿Freiheit oder Algorithmus?
Vom Umgang mit künstlicher Intelligenz.
Unser diesjähriges Thema ist aktueller denn je, denn längst ist das Digitale in fast alle Lebensbereiche eingedrungen. Neben der analogen Welt bekommt die digitale immer mehr Gewicht und durch das coronabedingte Abstandsgebot hat die Digitalisierung noch einmal an Geschwindigkeit zugelegt. Als Rechenwerkzeuge geboren, sind Algorithmen auf dem Weg, Kontrolle über unser Leben und Zusammenleben zu übernehmen. Wenn Algorithmen inzwischen unschlagbar im Schachspiel sind, besser Autofahren als wir, Muster in komplexen Zusammenhängen in Bruchteilen von Sekunden erkennen, aus vernetzten Datenmassen logische Schlüsse ziehen können und mit moderner Biosensorik mehr über uns wissen, als wir selbst in Erfahrung bringen können, ist es dann auch denkbar, dass Algorithmen bald schon bessere Entscheidungen treffen, als wir Menschen? Wie ist es angesichts dieser technophilen Träume um unsere kollektive Selbstbestimmung bestellt? Wie viel zeitaufwändige demokratische Partizipation brauchen wir noch? Und wieviel unserer langerkämpften bürgerlichen Freiheit werden wir zugunsten einer digital überwachten Sicherheit, eines digital hergestellten Wohlstands und einer digitalen Bequemlichkeit aufgeben? Welcher Ethik folgen Algorithmen? Inwieweit richten sie sich nach dem Gemeinwohl und wie weit nach ökonomischen Interessen? Welche Vielfalt lässt eine Welt zu, deren Sprache nur aus Nullen und Einsen besteht? Wenn es so etwas wie künstliche Intelligenz gibt, gibt es dann auch eine künstliche Vernunft, die sich im analogen Sinn der Aufklärung ja auf die Würde des Menschen gründet?

Wie sehen Sie diese Entwicklung? Was ist Ihre Meinung dazu und Ihre Erfahrung damit?

Wir freuen uns, diese und andere Fragen mit Ihnen und unseren Referenten zu vertiefen. Bitte bringen Sie auch gutes Schuhwerk mit, denn unsere Referenten sind mit Bergen vertraut und machen gerne einen Workshop oder ein Privatissimum in Form einer kleinen Wanderung.

Referenten:

Christopher Frauenberger, Privatdozent / PhD

Christopher Frauenberger forscht an der TU Wien in der Human-Computer Interaction Group. Er setzt sich vor allem mit Fragen der Gestaltung von digitaler Technologie auseinander und wie diese sehr fundamental mit dem Wesen des Menschen verbunden sind. Er bedient sich dabei vor allem partizipativer Designmethoden um alternative Zukünfte zu erdenken, die einen Gegenentwurf zu dem dominierenden technologischen Überwachungskapitalismus vorschlagen wollen. Um als Gesellschaft die Gestaltungshoheit über die Digitalisierung der Welt wieder zu erlangen, argumentiert er für die (re-)politisierung von Innovation und für demokratische Verhandlungsräume, in denen eine Digitalisierung gestaltet werden kann, die wir wollen können. 

https://frauenberger.name/research/ein-neuer-kompass-fur-die-digitale-zukunft

https://informatics.tuwien.ac.at/people/christopher-frauenberger

Jörn ErbguthDiplom-Informatiker Univ. & Diplom-Jurist Univ.

Mythos Algorithmus

Die Algorithmen steuern unser Leben. Doch was sind diese „Algorithmen“? Wie funktionieren sie? Über die Wandlung eines Begriffs in sein Gegenteil und die Auswirkungen auf unsere Gesellschaft.

Jörn Erbguth war CTO bei der Swisslex AG, einem juristischen Informationssystem in der Schweiz und vorher in ähnlicher Position bei der juris GmbH in Deutschland tätig. Seit 2016 widmet er sich der Problematik der Digitalisierung der Gesellschaft. Eine zukünftige digitale Gesellschaft benötigt eine neue Balance zwischen den Interessen von Individuen, Staat und Wirtschaftsunternehmen. Während die großen Internetunternehmen über ihre Online-Systeme großen Einfluss erhalten und sich der Staat immer umfangreichere Überwachungsrechte einräumt, drohen die individuellen Rechte zu kurz zu kommen. Daher versucht Jörn Erbguth bei der Suche nach neuen Wegen zwischen Technik, Recht und Gesellschaft zu vermitteln. Er promoviert an der Uni Genf und berät zu Blockchains und Datenschutz. Er lehrt an der Uni Genf, der Geneva School of Diplomacy, der Uni Luzern und der Uni St. Gallen. Daneben ist er in Standardisierungsgremien der ITU und DIN tätig. Zudem ist er Mitglied im Vorstand des EDV-Gerichtstags sowie dem Verein entscheidsuche.ch, welcher Schweizer Gerichtsentscheidungen für alle zugänglich macht.

Jörn Erbguth ist Vater eines erwachsenen Sohnes. Er war 5 Jahre „alleinerziehend“, ist begeisterter Fahrradfahrer, hat nie ein Auto besessen und engagiert sich als Skitourenleiter beim Schweizer Alpenclub.

http://erbguth.ch/